Das Lackierrad

Als Lackierräder werden spezielle Räder für Kraftfahrzeuge bezeichnet, die als Hilfsmittel bei Reparatur-Lackierungen dienen. Herkömmliche Pneus sind nicht auf höhere Temperaturen von teilweise über 60 Grad Celsius ausgelegt, die beim Forcieren des Trocknungsprozesses nach dem Lackauftrag erreicht werden. Da viele Kfz - und Reifenhersteller die Demontage der fahrzeugeigenen Räder und die Montage von Lackierrädern vorschreiben, wird sich der Einsatz spezieller Lackierräder in Kfz-Lackier- und Karosseriebetrieben immer mehr etablieren. Auch die Versicherungen wollen sich dementsprechend absichern und fordern deshalb verstärkt eindeutige Beweise für die Verwendung von Lackierrädern, auch um unberechtigte Schadensersatzforderungen der Versicherungsnehmer auszuschließen.  Viele Betriebe stellte das jedoch bisher vor fast unlösbare Schwierigkeiten. Unzählige verschiedene Lochkreise und Abmessungen bedeuteten eine große Herausforderung an Lagerhaltung, Logistik und Handling. Auch auf Grund der dadurch entstehenden Kosten, verzichten die meisten Karosserie- und Lackierbetriebe daher oft auf Lackierräder und dürfen diese dann natürlich auch nicht bei Kunden oder Versicherungen abrechnen.

Die neuste Entwicklung der Branche, das Universal-Lackierrad von F+S Technik, stellt deshalb eine wahre Revolution dar.

Historie

Bei der Instandsetzung von Kraftfahrzeugen nach Unfällen gehören Lackierarbeiten mit abschließender Trocknung des Lacks (forcierte Trocknung) zu den abschließenden Arbeitsschritten. Aus technischen und wirtschaftlichen Gründen ist eine Beschleunigung des Trocknungsprozesses aktueller Stand der Technik, was in Lackierereien durch Erhöhung der Temperatur in den Lackierkabinen erfolgt. Die Trocknung des Lackes bei 55 bis 60 Grad Celsius bringt für herkömmliche Fahrzeugreifen eine zu große Belastung mit sich. Unabhängig von der Gummimischung steigt das Risiko, dass das Reifenmaterial spröde wird und Schäden an den Fahrzeugreifen drohen.

In früheren Jahrzehnten wurden die Kfz-Reifen während des Lackier- und Trocknungsprozesses auf bis zu 4,0 bar aufgepumpt, um das Risiko von Schäden am Material zu verhindern. Dieses Vorgehen gilt als veraltet und wird von Kfz- und Reifenherstellern bei der Instandsetzung von Unfällen nicht mehr akzeptiert. Markengebundene Kfz-Betriebe, führen deshalb oft mehrere Sets an Lackierrädern, die speziell für die Lackier- und Trocknungsphase an Fahrzeugen ihrer Kunden montiert werden, bevor diese zum Lackierbetrieb verbracht werden.

Das erste Universal-Lackierrad wurde 2017 von Harald Flagner erfunden. Von der F+S Technik GbR umgesetzt, ist das Rad auf einen Einsatz bei diversen Kfz-Herstellern und Baureihen ausgelegt. Das neuartige Produkt ermöglicht es Kfz-Werkstätten und Lackierereien, Arbeiten fach- und sachgerecht durchzuführen und hierbei Lagerplatz im Betrieb einzusparen. Das Ziel bei der Entwicklung der Lackierräder von F&S Technik war Rechtssicherheit mit Effektivität und Wirtschaftlichkeit zu kombinieren. Dieses wurde erreicht.

Funktion und Einsatzbereiche

Das Lackierrad dient einer sach- und fachgerechten Unfallinstandsetzung nach den Vorschriften der Reifen und Fahrzeughersteller. Ist der Einsatz spezieller Lackierräder anstelle der gewöhnlichen Bereifung vorgeschrieben, hat der Kfz- oder Lackierbetrieb eine Demontage und spätere Montage der Fahrzeugeigenen Räder durchzuführen. Das Anbringen der Universal-Lackierräder fördert durch den universellen Einsatz den Workflow, zudem müssen Fachbetriebe nur einen Bruchteil der bisherigen Lackierräder auf Lager halten.

Das Lackierrad ist explizit für den Lackier- und Trocknungsprozess bei der Instandsetzung von Unfällen im Kfz-Bereich konzipiert worden. Kleine Strecken innerhalb der Lackiererei sind mit dem Lackierrad bis 6 km/h fahrbar. Für einen regulären Einsatz im Straßenverkehr ist das provisorisch nutzbare Lackierrad nicht konzipiert. Durch die geringe Breite der Reifen, lässt sich das Fahrzeug leichter bewegen und die Lackierräder benötigen wenig Lagerfläche.

Empfehlungen von Fahrzeug- und Reifenherstellern

Verschiedene Fahrzeughersteller schreiben explizit vor, dass bei der Instandsetzung von Lackschäden ein gesonderter Satz aus Lackierrädern zu montieren ist.

So sieht der Reparaturleitfaden AH40.10-P1030-01A von Mercedes-Benz vor, dass der Kunde nicht mit seinen eigenen Rädern (Reifen mit Felge) in die Lackierkabine zur Trocknung fahren soll.

„…bei der forcierten Lacktrocknung in der Trockenkabine können ab einer Objekttemperatur > 40 °C an den Reifen Standplatten (Flatspots) durch Gewicht, Temperatur und Trockenzeit entstehen. Hierbei handelt es sich um bleibende, irreparable Verformungen im Bereich des Reifenseitenteils und der Wulstverstärkung. Diese bleibenden Verformungen führen zu Radlastschwankungen und Vibrationen, die weder durch Wuchten noch durch Matchen der Räder beseitigt werden können. Um Standplatten zu vermeiden, müssen sowohl konventionelle als auch Sonderschutzfahrzeuge mit so genannten "Lackierrädern" in die Lackier- und Trockenanlage eingebracht werden. Das Aufpumpen der Originalreifen auf 4 bar reicht nicht aus, kann bei den "Lackierrädern" aber entfallen. Das Abdecken der Originalreifen mit Schutzfolien, -platten ist ebenfalls nicht ausreichend.“  

Den Richtlinien von Mercedes-Benz haben sich namhafte Reifenhersteller angeschlossen:

Pirelli:
"Es müssen Lackierräder während einer forcierten Trocknung in der Lackierkabine am Fahrzeug montiert werden."

Michelin (Kleber, BFGoodrich, Kormoran, Riken, Tigar):
"Bei den in Lackierkabinen auftretenden Temperaturen, empfehlen wir die Originalbereifung gegen "Lackierräder" auszutauschen.  In der Nähe der Wärmequelle treten oftmals weitaus höhere Temperaturen als die genannten 60°C auf, was zu einem Verlust der Flexibilität und Verhärtung des Gummis führen kann. Zum anderen kann es durch die ungleichmäßige Erwärmung der Reifen (Aufstandsfläche in der Regel kühler) zu Rundlaufproblemen kommen."